Der FC Laufen kennt die beiden Extreme des Fussballs

Der FC Laufen kennt die beiden Extreme des Fussballs

von Bojan Stula — bz Basellandschaftliche Zeitung

9.12.2016 um 14:56 Uhr

 

Vor 30 Jahren endete das Abenteuer des FC Laufen in der Nationalliga B. Heute setzt sich der Klub ganz andere Ziele: Ein neuer Kunstrasenplatz soll die Probleme des Vereins lösen.

Die Jahre verrinnen. Und damit die Erinnerung an frühere Heldentaten. Der zehnte Jahrestag des Aufstiegs in die Nationalliga B fiel in die Zeit der politischen Diskussionen um den anstehenden Kantonswechsel. 25 Jahre später feierte der FC Laufen sein 100-jähriges Bestehen nur noch in der interregionalen 2. Liga. Jetzt, 30 Jahre nach dem Ende der ruhmreichen Epoche, sind schon mehrere der damaligen Protagonisten nicht mehr am Leben.

Vor zwei Jahren verstarb Dölf Kamber, der legendäre schnauzbärtige Goalie der Laufner, der 13 Jahre lang den Kasten der ersten Mannschaft gehütet hatte und beim entscheidenden Aufstiegs-Rückspiel in Delémont keinen Gegentreffer zuliess. Bereits vor sechs Jahren verschied der weitum bekannte Sportjournalist Rolf Klopfenstein, als jahrzehntelanger Berichterstatter und Vereinschronist eine mindestens ebenso prägende Gestalt wie die aktiven Kicker auf dem Rasenfeld der Nau.

Viel umjubelte Stars

Nein, im heutigen FC Laufen spielt jene Zeit in der zweithöchsten Schweizer Fussballliga keine unmittelbare Rolle mehr. «Ich sehe kaum noch einen aktuellen Bezug», sagt FCL-Geschäftsführer Fabio Rota, 48, der für jene Vereinsgeneration steht, die erst nach dem Nationalliga-B-Abstieg von 1986 zum Zuge kam. Sicher, der Verein hat damals Sportgeschichte geschrieben. Bis auf den heutigen Tag ist er der einzige Baselbieter Fussballklub geblieben, der in einer so hohen Liga spielen konnte und zumindest zeitweise dem (Halb-)Profifussball frönte.

Nie wieder grassierte das Fussballfieber im Laufental so stark wie damals, als über 5000 Zuschauer zu den Aufstiegspartien pilgerten und anschliessend immer noch jeweils 2000 bis 3000 Fans an die Ligaspiele kamen. Doch das hatte seinen Preis: «Die Zeit in der Nationalliga B hat viel Geld gekostet», blickt Rota zurück, «in dieser Zeit wurde das Vereinsumfeld vernachlässigt.» Auch in Laufen musste man die Erfahrung machen, dass viel umjubelte Stars wie der Brasilianer Adilson De Almeida oder der vom FC Basel gekommene ehemalige Bundesliga-Profi Uwe Dreher zwar die Fans in den Bann zogen, aber ebenso schnell wieder weg waren, sobald es sportlich (und finanziell) nicht mehr rund lief. Spätestens nach dem Rücktritt des langjährigen Vereinspräsidenten und Mäzens Friedrich Hof 1990 und dem unter Trainer Christian Boss knapp verpassten Wiederaufstieg 1989 war der Abstieg bis in die Niederungen der 2. Regionalliga nicht mehr aufzuhalten.

Ja, die Namen. Erstaunlich, wer da alles am Laufner Fussballwunder der 80er-Jahre seinen Anteil hatte. Allen voran Urs Siegenthaler. Zum FC Laufen stiess der Basler 1980 als Spielertrainer, nach einer illustren Nationalliga-A-Karriere beim FCB, bei Xamax, YB und Winterthur. Was den damals 32-Jährigen aber aussergewöhnlich machte: Neben Erich Vogel war er zu diesem Zeitpunkt der einzige andere Schweizer, der an der Sporthochschule in Köln das Bundesliga-Trainerdiplom erworben hatte – wie im Jubiläumsbuch zum 75-jährigen Bestehen von 1983 stolz vermerkt ist.

Heute gehört Siegenthaler (69) bekanntlich noch immer zum engsten Beraterkreis von Bundestrainer Jogi Löw und hat keinen geringen Anteil an den deutschen Fussballerfolgen. Neben Siegenthaler war da aber auch noch ein gewisser Urs Steiner Co-Trainer in Laufen, heute CEO der Elektra Baselland und einer der wichtigsten Wirtschaftskapitäne im Kanton.

«Verrückte Sache»

Nach einem vierten Rang in Siegenthalers erster Saison in Laufen machte der Fussballlehrer im Juni 1982 mit dem 3:1-Sieg und zwei De-Almeida-Toren im Hinspiel sowie einem 0:0 im Rückspiel in Delémont den Aufstieg perfekt. Im Stedtli bereiteten Tausende dem Team einen begeisterten Empfang. Fabio Rota erlebte all dies als Junior mit. Die turbulenten Aufstiegsspiele sind ihm jedenfalls lebhafter in Erinnerung geblieben als die vier Jahre in der Nationalliga B selbst. Auch an die Auswärtsfahrt mit 1000 Laufen-Fans nach Mendrisio beim missglückten Aufstiegsanlauf von 1980 denkt er gerne zurück: «Das war eine verrückte Sache.»

Wiederholen wird sich ein solcher Höhenflug wohl nie mehr. «Dazu müssten schon zwei bis drei Millionäre nach Laufen ziehen», meint der heutige Geschäftsführer des Vereins im Scherz. Vielleicht auch besser so. Für den heutigen FC Laufen sei es wichtiger, mit seinen über 200 Junioren und 100 Aktiven ein gemeinsames Weihnachtsessen durchzuführen, als viel Geld für ein Trainingslager der ersten Mannschaft auf den Seychellen auszugeben.

Der heutige FC Laufen sei ein durch und durch gesunder Verein, der für eine gute Infrastruktur viel selber getan hat und mit der in Eigenregie betriebenen Klubbeiz und der grossen Supporterbewegung über zuverlässige Einnahmequellen verfügt. In der ersten Mannschaft in der regionalen 2. Liga spielen zahlreiche Eigengewächse, ebenso geben im Vorstand langjährige Vereinspersönlichkeiten den Ton an. Der Kinderfussball boomt wie verrückt, und wenn in diesem bodenständigen Umfeld von sportlichen Ambitionen gesprochen wird, dann von einem Aufstieg in die interregionale 2. Liga als höchstem der Gefühle.

Fokus auf dem Nachwuchs

Vielleicht wirkt gerade deshalb die Nationalliga-B-Zeit in Laufen viel stärker nach, als es selbst der heutigen Vereinsführung bewusst ist. Der FCL hat eben beide Extreme erlebt, die der Fussball zu bieten hat. Zum einen den sportlichen Erfolg, die öffentliche Aufmerksamkeit, die Bedeutung des Gelds und gut bezahlte Stars – und die zwangsläufig damit einhergehende Entfremdung zum eigenen Amateur- und Nachwuchsbereich.

Zum anderen das heutige Dasein als homogener Dorfverein im besten Sinne, der weiss, wo seine Grenzen liegen, geprägt von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl quer durch alle Stufen. Der Fokus liegt auf der Nachwuchsbewegung, wo laut Rota qualitativ hochstehende Ausbildungsarbeit geleistet wird, weil die vorhandenen Finanzmittel für gut ausgebildete und qualifizierte Trainer eingesetzt werden können. Wenn ein Laufner Talent den Sprung in den Spitzenfussball wagen will, werden ihm seitens des Vereins keine Steine in den Weg gelegt. Denn die Klubverantwortlichen wissen genau, dass diese Spieler irgendwann einmal nach Laufen zurückkehren werden und dann mit ihrer Erfahrung umso wertvoller sind.

Mangel an Trainingsplätzen

Wem das alles jetzt zu rosig klingt: Selbstverständlich ist auch der heutige FC Laufen nicht vor Problemen gefeit. In der vorletzten Saison wurde das Trainerduo wegen sportlicher Misserfolge mitten in der Rückrunde entlassen, seither führt der Büsseracher Adnan Ercedogan die Zweitligamannschaft (momentan Rang 8 mit 15 Punkten aus 13 Spielen). Ebenso selbstverständlich schaut sich der FCL auf dem regionalen Transfermarkt nach Verstärkungen um. So hat er vom FC Oberdorf den aktuellen Topskorer Enis Bufaj geholt (11 Saisontreffer).

Eine wirklich bedeutende Baustelle im Verein stellen jedoch einzig die schwierigen Trainingsbedingungen für die total 17 FCL-Teams dar. «Wir haben in den vergangenen Jahren drei Trainingsfelder verloren», beschreibt Fabio Rota den akuten Mangel an Allwetterplätzen, «jetzt muss es endlich mit der Errichtung eines Kunstrasenfelds vorwärtsgehen». Ein erster Anlauf zum Bau eines neuen Kunstrasenplatzes für 1,4 Millionen Franken wurde 2008 durch eine Referendumsabstimmung gestoppt. Vielleicht klappt es im zweiten Anlauf. Entsprechende Gespräche mit der Stadt Laufen seien im Gang.

 

 
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