Presse

Der FC Laufen kennt die beiden Extreme des Fussballs

von Bojan Stula — bz Basellandschaftliche Zeitung

9.12.2016 um 14:56 Uhr

 

Vor 30 Jahren endete das Abenteuer des FC Laufen in der Nationalliga B. Heute setzt sich der Klub ganz andere Ziele: Ein neuer Kunstrasenplatz soll die Probleme des Vereins lösen.

Die Jahre verrinnen. Und damit die Erinnerung an frühere Heldentaten. Der zehnte Jahrestag des Aufstiegs in die Nationalliga B fiel in die Zeit der politischen Diskussionen um den anstehenden Kantonswechsel. 25 Jahre später feierte der FC Laufen sein 100-jähriges Bestehen nur noch in der interregionalen 2. Liga. Jetzt, 30 Jahre nach dem Ende der ruhmreichen Epoche, sind schon mehrere der damaligen Protagonisten nicht mehr am Leben.

Vor zwei Jahren verstarb Dölf Kamber, der legendäre schnauzbärtige Goalie der Laufner, der 13 Jahre lang den Kasten der ersten Mannschaft gehütet hatte und beim entscheidenden Aufstiegs-Rückspiel in Delémont keinen Gegentreffer zuliess. Bereits vor sechs Jahren verschied der weitum bekannte Sportjournalist Rolf Klopfenstein, als jahrzehntelanger Berichterstatter und Vereinschronist eine mindestens ebenso prägende Gestalt wie die aktiven Kicker auf dem Rasenfeld der Nau.

Viel umjubelte Stars

Nein, im heutigen FC Laufen spielt jene Zeit in der zweithöchsten Schweizer Fussballliga keine unmittelbare Rolle mehr. «Ich sehe kaum noch einen aktuellen Bezug», sagt FCL-Geschäftsführer Fabio Rota, 48, der für jene Vereinsgeneration steht, die erst nach dem Nationalliga-B-Abstieg von 1986 zum Zuge kam. Sicher, der Verein hat damals Sportgeschichte geschrieben. Bis auf den heutigen Tag ist er der einzige Baselbieter Fussballklub geblieben, der in einer so hohen Liga spielen konnte und zumindest zeitweise dem (Halb-)Profifussball frönte.

Nie wieder grassierte das Fussballfieber im Laufental so stark wie damals, als über 5000 Zuschauer zu den Aufstiegspartien pilgerten und anschliessend immer noch jeweils 2000 bis 3000 Fans an die Ligaspiele kamen. Doch das hatte seinen Preis: «Die Zeit in der Nationalliga B hat viel Geld gekostet», blickt Rota zurück, «in dieser Zeit wurde das Vereinsumfeld vernachlässigt.» Auch in Laufen musste man die Erfahrung machen, dass viel umjubelte Stars wie der Brasilianer Adilson De Almeida oder der vom FC Basel gekommene ehemalige Bundesliga-Profi Uwe Dreher zwar die Fans in den Bann zogen, aber ebenso schnell wieder weg waren, sobald es sportlich (und finanziell) nicht mehr rund lief. Spätestens nach dem Rücktritt des langjährigen Vereinspräsidenten und Mäzens Friedrich Hof 1990 und dem unter Trainer Christian Boss knapp verpassten Wiederaufstieg 1989 war der Abstieg bis in die Niederungen der 2. Regionalliga nicht mehr aufzuhalten.

Ja, die Namen. Erstaunlich, wer da alles am Laufner Fussballwunder der 80er-Jahre seinen Anteil hatte. Allen voran Urs Siegenthaler. Zum FC Laufen stiess der Basler 1980 als Spielertrainer, nach einer illustren Nationalliga-A-Karriere beim FCB, bei Xamax, YB und Winterthur. Was den damals 32-Jährigen aber aussergewöhnlich machte: Neben Erich Vogel war er zu diesem Zeitpunkt der einzige andere Schweizer, der an der Sporthochschule in Köln das Bundesliga-Trainerdiplom erworben hatte – wie im Jubiläumsbuch zum 75-jährigen Bestehen von 1983 stolz vermerkt ist.

Heute gehört Siegenthaler (69) bekanntlich noch immer zum engsten Beraterkreis von Bundestrainer Jogi Löw und hat keinen geringen Anteil an den deutschen Fussballerfolgen. Neben Siegenthaler war da aber auch noch ein gewisser Urs Steiner Co-Trainer in Laufen, heute CEO der Elektra Baselland und einer der wichtigsten Wirtschaftskapitäne im Kanton.

«Verrückte Sache»

Nach einem vierten Rang in Siegenthalers erster Saison in Laufen machte der Fussballlehrer im Juni 1982 mit dem 3:1-Sieg und zwei De-Almeida-Toren im Hinspiel sowie einem 0:0 im Rückspiel in Delémont den Aufstieg perfekt. Im Stedtli bereiteten Tausende dem Team einen begeisterten Empfang. Fabio Rota erlebte all dies als Junior mit. Die turbulenten Aufstiegsspiele sind ihm jedenfalls lebhafter in Erinnerung geblieben als die vier Jahre in der Nationalliga B selbst. Auch an die Auswärtsfahrt mit 1000 Laufen-Fans nach Mendrisio beim missglückten Aufstiegsanlauf von 1980 denkt er gerne zurück: «Das war eine verrückte Sache.»

Wiederholen wird sich ein solcher Höhenflug wohl nie mehr. «Dazu müssten schon zwei bis drei Millionäre nach Laufen ziehen», meint der heutige Geschäftsführer des Vereins im Scherz. Vielleicht auch besser so. Für den heutigen FC Laufen sei es wichtiger, mit seinen über 200 Junioren und 100 Aktiven ein gemeinsames Weihnachtsessen durchzuführen, als viel Geld für ein Trainingslager der ersten Mannschaft auf den Seychellen auszugeben.

Der heutige FC Laufen sei ein durch und durch gesunder Verein, der für eine gute Infrastruktur viel selber getan hat und mit der in Eigenregie betriebenen Klubbeiz und der grossen Supporterbewegung über zuverlässige Einnahmequellen verfügt. In der ersten Mannschaft in der regionalen 2. Liga spielen zahlreiche Eigengewächse, ebenso geben im Vorstand langjährige Vereinspersönlichkeiten den Ton an. Der Kinderfussball boomt wie verrückt, und wenn in diesem bodenständigen Umfeld von sportlichen Ambitionen gesprochen wird, dann von einem Aufstieg in die interregionale 2. Liga als höchstem der Gefühle.

Fokus auf dem Nachwuchs

Vielleicht wirkt gerade deshalb die Nationalliga-B-Zeit in Laufen viel stärker nach, als es selbst der heutigen Vereinsführung bewusst ist. Der FCL hat eben beide Extreme erlebt, die der Fussball zu bieten hat. Zum einen den sportlichen Erfolg, die öffentliche Aufmerksamkeit, die Bedeutung des Gelds und gut bezahlte Stars – und die zwangsläufig damit einhergehende Entfremdung zum eigenen Amateur- und Nachwuchsbereich.

Zum anderen das heutige Dasein als homogener Dorfverein im besten Sinne, der weiss, wo seine Grenzen liegen, geprägt von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl quer durch alle Stufen. Der Fokus liegt auf der Nachwuchsbewegung, wo laut Rota qualitativ hochstehende Ausbildungsarbeit geleistet wird, weil die vorhandenen Finanzmittel für gut ausgebildete und qualifizierte Trainer eingesetzt werden können. Wenn ein Laufner Talent den Sprung in den Spitzenfussball wagen will, werden ihm seitens des Vereins keine Steine in den Weg gelegt. Denn die Klubverantwortlichen wissen genau, dass diese Spieler irgendwann einmal nach Laufen zurückkehren werden und dann mit ihrer Erfahrung umso wertvoller sind.

Mangel an Trainingsplätzen

Wem das alles jetzt zu rosig klingt: Selbstverständlich ist auch der heutige FC Laufen nicht vor Problemen gefeit. In der vorletzten Saison wurde das Trainerduo wegen sportlicher Misserfolge mitten in der Rückrunde entlassen, seither führt der Büsseracher Adnan Ercedogan die Zweitligamannschaft (momentan Rang 8 mit 15 Punkten aus 13 Spielen). Ebenso selbstverständlich schaut sich der FCL auf dem regionalen Transfermarkt nach Verstärkungen um. So hat er vom FC Oberdorf den aktuellen Topskorer Enis Bufaj geholt (11 Saisontreffer).

Eine wirklich bedeutende Baustelle im Verein stellen jedoch einzig die schwierigen Trainingsbedingungen für die total 17 FCL-Teams dar. «Wir haben in den vergangenen Jahren drei Trainingsfelder verloren», beschreibt Fabio Rota den akuten Mangel an Allwetterplätzen, «jetzt muss es endlich mit der Errichtung eines Kunstrasenfelds vorwärtsgehen». Ein erster Anlauf zum Bau eines neuen Kunstrasenplatzes für 1,4 Millionen Franken wurde 2008 durch eine Referendumsabstimmung gestoppt. Vielleicht klappt es im zweiten Anlauf. Entsprechende Gespräche mit der Stadt Laufen seien im Gang.

 

 

Wie der deutsche Chef-Spion den FC Laufen in die NLB brachte - Tageswoche vom 17.06.2014

Fussball 

Wie der deutsche Chef-Spion den FC Laufen in die NLB brachte

17.6.2014, 10:50 Uhr

Heute ist Urs Siegenthaler der Mann, der die Gegner der deutschen Nationalmannschaft beobachtet. In den 1980er-Jahren führte er den FC Laufen als Trainer in der erfolgreichsten Zeit der Clubgeschichte. 1982 gelang der Aufstieg in die Nationalliga B. Von Daniel Schaub

5500 Zuschauer drängten sich auf den Sportplatz Nau, um den FC Laufen endlich in die Nationalliga B aufsteigen zu sehen, wie damals die zweithöchste Schweizer Liga hiess. Der Club war zuvor dreimal in vier Jahren an der Promotion gescheitert, 1977 am FC Wettingen, 1978 am FC Bern und 1980 am FC Mendrisio.

Fussballgeschichten aus der Region

Zum 75. Geburtstag des Fussballverbandes Nordwestschweiz kommt es zu einer ­Kooperation mit der Tages­Woche. Das Ziel: Online soll eine interaktive Geschichte des Fussballs in der Region entstehen, auf der die wichtigsten Ereignisse des regionalen Fussballs, Anekdoten und Erinnerungen auf einer Zeitleiste dargestellt werden. ­

Gegen die Berner war das Scheitern besonders bitter gewesen, hatte der Laufener Kellerhals im Auswärtsspiel doch ein lupenreines Tor zum 2:0 erzielt. Ein Treffer, der zum Aufstieg gereicht hätte. Aber Schiedsrichter Winter sah den Ball im Aussennetz und gab Torabstoss. Laufen musste zu einem Entscheidungsspiel in Grenchen antreten, dass der FC Bern mit 1:0 für sich entschied.

1980 waren nach einem 2:1-Heimsieg über Mendrisio über 1000 Laufener Fans ins Tessin gepilgert, sahen jedoch eine deutliche 0:3-Niederlage der vom österreichischen Spielertrainer Rudi Schribertschnig angeführten Laufener.

Siegenthaler und Vogel

Doch nun, im Juni 1982, sollte es endlich klappen. Urs Siegenthaler kam 1980 mit dem Ausweis von fünf Meistertiteln und eben so vielen Cupfinalteilnahmen (zweimal als Reservist) als Spieler des FC Basel, Neuchâtel Xamax, dem BSC Young Boys und des FC Winterthur als 32-jähriger Spielertrainer auf die Laufener Nau.

Die erste Saison beendete er noch auf Rang 4, in der zweiten Spielzeit jedoch griffen die Methoden des 1978 an der Sporthochschule Köln ausgebildeten und höchst dekorierten Trainers. Nur Siegenthaler und ein gewisser Erich Vogel besassen zu jenem Zeitpunkt in der Schweiz das begehrte Bundesliga-Trainerdiplom.

Die Laufener waren in den elf Jahren ihrer 1.-Liga-Zugehörigkeit zu einem der erfolgreichsten Clubs dieser Spielklasse geworden, in der Saison 1981/82 kassierten sie ihre erste Niederlage, als ihr Gruppensieg schon feststand. In der Aufstiegsrunde wurde in der ersten Aufstiegsphase der SC Zug eliminiert – dank dem Auswärtstor beim 1:1 in der Innerschweiz.

Empfang im Stedtli

Und nun bildete die SR Delémont die entscheidende Hürde. Die Rekordkulisse auf der Nau erlebte ein aufwühlendes und packendes Duell zweier starker Teams. Die beherzten Laufener verfügten über ein starkes Kollektiv und den herausragenden Akteur auf dem Platz, den Brasilianer Adilson de Almeida.

Im Rückspiel im Jura brachte der FC Laufen den 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel locker über die Bühne. Das 0:0 an jenem 19. Juni 1982 ebnete erstmals den Weg in die Nationalliga B – und die Aufstiegshelden wurden im Laufener Stedtli begeistert empfangen. Der FC Laufen hatte sein Ziel unter der jahrelangen Führung von Präsident Friedrich A. Hof endlich erreicht – und beging sein 75-Jahr-Jubiläum als stolzer Nationalliga-Verein.

Andy Cueni war im ersten Spiel zuhause gegen den FC Ibach der erste NLB-Torschütze in der Clubgeschichte des FC Laufen. Am Ende standen die Laufener auf dem achtbaren zehnten Platz der 16er-Liga und waren hinter dem FC Basel, der sich in der NLA schon langsam nach hinten orientieren musste, und dem FC Nordstern die Nummer 3 in der Nordwestschweiz.

Am Ende der Saison 1983/84 war die erfolgreiche Amtszeit von Trainer Urs Siegenthaler beendet – grosse Sprünge waren in Laufen nicht möglich, der finanzielle Rahmen war für 1.-Liga-Verhältnisse zwar durchaus grosszügig, in der NLB jedoch erreichte er seine Grenzen. Immer wieder mussten Junioren und Spieler aus der 2. Mannschaft helfen, um durch die Saison zu kommen.

Dreher rettete die Klasse

Die Saison 1984/85 war eine turbulente. Schon nach zwei Partien wurde der neue Trainer Helmut Kissner abgelöst, interimistisch übernahm Rudi Schribertschnig die Führung, ehe Werner Decker wieder einstieg. Uwe Dreher, der wie einst «Goldfüsschen» Josef «Seppe» Hügi vom FC Basel nach Laufen gekommen war, wurde im wahrsten Sinne zum Dreh- und Angelpunkt in jener Saison.

Dem Deutschen, der nur eine Saison bei Basel unter Vertrag gestanden hatte, hatte der FC Laufen den neuerlichen Klassenerhalt zu verdanken. Die Rettung gelang im allerletzten Saisonspiel in Schaffhausen, als ein 1:1 reichte, um den 13. Platz zu belegen. Dreher wechselte auf die folgende Saison dann zu eben diesem FC Schaffhausen.

Vielleicht auch deshalb war das Abenteuer NLB für den FC Laufen ein Jahr später beendet. Die Zuzüge von Erminio Piserchia von den Grasshoppers und von Pierre Dickert von Bundesliga-Aufsteiger Saarbrücken brachten nicht den erhofften Erfolg. Auch die temporäre Rückkehr des Aufstiegstrainers Urs Siegenthaler konnte den Abstieg nach vier Saisons in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse nicht mehr abwenden. Eine Niederlage in Martigny besiegelte das Laufener Schicksal.

Gescheiterter zweiter Anlauf

Noch einmal kitzelte der FC Laufen drei Jahre später an der Nationalliga B. Unter Trainer Christian Boss scheiterte das Team jedoch in der Aufstiegsrunde der Saison 1988/89 am FC Brüttisellen. Das war’s von einem glorreichen Jahrzehnt in der Geschichte des über 100-jährigen FC Laufen.

Am Ende der Saison 1989/90 war die 18-jährige Amtszeit von Präsident Friedrich A. Hof zu Ende – und nach ihm konnten die Laufener nie wieder an jene aufregenden Jahre inmitten des Schweizer Nationalliga-Fussballs anknüpfen. In der aktuellen Saison ist der FC Laufen in die regionale 2. Liga abgestiegen.

Siegenthalers bemerkenswerte Karriere

Siegenthaler jedoch machte nach den Jahren in Laufen eine bemerkenswerte Karriere. Als Trainer des FC Basel konnte er den Abstieg 1988 mit einem ausgedünnten Kader zwar nicht verhindern und verschwand zwischenzeitlich etwas von der Fussballbühne. Er arbeitete jedoch im Hintergrund als Trainerausbildner und Präsident der Schweizer Trainerunion.

2004 wurde er vom Deutschen Fussballbund zum Chefscout ernannt und half im Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit, sich optimal auf die WM 2006 im eigenen Land vorzubereiten. Klinsmann ist längst nicht mehr im Amt, doch Siegenthaler hat seine Kaderposition beim DFB ausbauen können und gehörte zuletzt auch zum Staff an der WM 2014 in Brasilien, um als Chefspion die Gegner der Deutschen zu analysieren. Über 30 Jahre nach dem historischen Juni 1982 in Laufen.

 

Fussball war mein Leben - kurzpass.ch

«Fussball war mein Leben»

 

Von: Sedrina Schaller, 21.03.2011

Kevin Eigenmann (22), Nachwuchstalent und Spieler beim 1. Ligisten FC Laufen, erzählt seine Geschichte vom Sprung zum grossen FC Basel bis hin zum zerplatzten Traum eines KV-Lehrlings.

Bereits mit vier Jahren stand der heutige Stürmer vom FC Laufen auf dem Fussballplatz. Der Fussball begleitete ihn durch seine Kindheit und liess ihn auch im jugendlichen Alter nicht mehr los; im Gegenteil. Der junge Knipser steht bis heute fast täglich auf dem Fussballplatz. Eine Reaktion auf seinen Ehrgeiz und das Talent, das in ihm steckt, erhielt er im Jahre 2008.

Der Traum einer Fussballkarriere

Patrick Rahmen, Trainer der zweiten Mannschaft des FC Basels, war es damals, der Gespräche mit dem früheren Coach des FC Laufen, Patrick «James» Bader, suchte, weil er einen seiner Spieler im Visier hatte. Kevin Eigenmann sollte der neue Hoffnungsträger des FC Basels U21 heissen.

Nach langem hin und her klappte der Sprung zum Ligafavoriten und Eigenmann stand schon bald im blau-roten Dress auf dem Fussballplatz. Der Traum einer Fussballkarriere als Profi schwebte ihm vor. Welcher Fussballer, der es zum FC Basel schafft, hat schon nicht solche Gedanken. Doch nicht bei jedem Spieler wird der Traum zur Realität. Wie sich Eigenmanns Traum ausgeträumt hat, lesen Sie hier.

Nachfolgend berichtet Kevin Eigenmann persönlich über den Verlauf seiner bisherigen Fussballkarriere und seine Erfahrungen mit dem Profiverein FC Basel.

Kevin Eigenmann:

Im Sommer 2008 war der FC Basel an mir interessiert. Nach Gesprächen unter den Trainern des FC Basels U21 und meinem ehemaligen Trainer, James, absolvierte ich einige Probetrainings in der zweiten Mannschaft des FC Basels. In der Nachwuchsmannschaft des FC Basels wollte man mich als rechter Aussenverteidiger verpflichten. Doch nach Gesprächen mit meinem Praxisausbildner entschlossen wir uns gemeinsam, den Verein nicht zu wechseln. Da ich beim FC Laufen rundum zufrieden war und dort auch meine Freunde hatte, war mein Wunsch nach einem Vereinswechsel nicht allzu stark ausgeprägt und es ging für mich in Ordnung, weiterhin in der 2. Liga interregional zu spielen. Ausserdem hätte meine Ausbildung darunter leiden müssen, was meine Entscheidung gegen den FCB verstärkte.

Aufstieg in die 1. Liga

Ich startete also mit dem FC Laufen in die neue Saison und führte mit 20 Toren in 20 Spielen die Torschützenliste an. Trotz Spielposition als Stürmer sah ich in dieser Zeit nicht weniger als 13 Mal die gelbe Karte, was folglich mit dreimaligem Zusehen verbunden war. Zum Glück nicht gesperrt war ich gegen den SC Dornach, wo ich auswärts das 4:3 und somit nicht nur das Sieges- sondern auch das Aufstiegstor in die 1. Liga schoss.

Auf dem Weg zur Profikarriere

Die neue Saison 2009/10 in der 1. Liga lief für mich fantastisch ab. Ich erzielte wie bisher meine Tore, zeigte Konstanz und hatte meine Lieblingsposition als Stürmer auf sicher. Gedanken an eine mögliche Profikarriere schwirrten mir durch Kopf. Kurzerhand nahm ich eines Tages völlig unverhofft mit Benno Kaiser, Betreuer der jungen Talente beim FC Basel, Kontakt auf. Ich erkundigte mich nach dem Interesse an meiner Person als Sportler und bekam bereits einen Tag später die definitive Zusage vom Trainer, in das Kader der 2. Mannschaft aufgenommen zu werden.

Ich wollte es unbedingt versuchen, um mir später nichts vorwerfen zu müssen. Nach Gesprächen mit meinem Praxisausbildner war der Transfer perfekt und ich unterschrieb einen Zweijahresvertrag beim grossen FC Basel. Ein langersehnter Traum ging in Erfüllung. Dass ich meinen Lehrvertrag um ein Jahr verlängern und die Berufsmatura dafür aufgeben musste störte mich kein bisschen. Fussball hatte nun erste Priorität. Mein Leben wurde radikal umgestellt oder besser gesagt: es hätte radikal umgestellt werden müssen.

Fehlende Spielpraxis

Das erste Jahr beim FC Basel erwies sich für mich als äusserst schwieriges Jahr. Ich konnte kaum Einsätze verbuchen und mit vielen Neuheiten, die mir das Leben anfänglich schwer machten, hatte ich nicht gerechnet. Trotzdem schätzte ich die Professionalität, die Trainingsbedingungen, die Kompetenz der Trainer sowie die Infrastruktur, die uns geboten wurde. In fast allen Trainingseinheiten konnte ich Neues dazu lernen und mich stetig verbessern. Was mir fehlte war die Spielpraxis.

Im Winter 2009 wurde ich an den FC Laufen, meinen ehemaligen Verein, ausgeliehen, damit ich wenigstens Spielpraxis hatte. Der FC Laufen war froh um mich. Ich konnte einen grossen Teil dazu beitragen, dass sie nicht abgestiegen sind. Nach der Vorrunde der Saison 2009/10 sassen wir, d.h. Trainer und Betreuer der Fussballschule vom FC Basel, meine Lehrer und Lehrmeister, mein Praxisausbildner und ich wieder alle an einen Tisch, um meine fussballerische Zukunft zu planen. Wir waren uns alle einig, dass ich auf die neue Saison 2010/11 zum FC Basel U21 zurücktransferiert werden sollte.

Zurück beim FC Basel

Wieder zurück beim FCB gab es eine Änderung betreffend Spielposition. Von nun an wurde ich als rechter Aussenverteidiger eingesetzt, was mir überhaupt nicht lag. Alle Trainingseinheiten, Testspiele und Meisterschaftsspiele musste ich als rechter Aussenverteidiger absolvieren, ich hatte keine Wahl.

Obwohl ich nicht auf meiner gelernten Position als Stürmer spielte, kam die beflügelnde Nachricht, dass ich für Testspiele mit der 1. Mannschaft mitreisen konnte, um dort ein bisschen Profiluft zu schnuppern. Gegen den FC Biel-Bienne und den FC Black Stars stand ich je eine Halbzeit mit Streller & Co.auf dem Platz.

Spass am Fussball blieb auf der Strecke

Zurück in der Nachwuchsmannschaft kam ich immer noch nicht regelmässig zum Einsatz. Ich bestritt nur wenige Spiele in der Meisterschaft und begann langsam an einer Profikarriere zu zweifeln. Private Probleme und viele Undiszipliniertheiten erschwerten mir den Sprung in die Stammelf und somit ins Rampenlicht für die 1. Mannschaft. Zusätzlich machte mir meine neu zugewiesene Position als Aussenverteidiger immer mehr zu schaffen. Ich hatte keinen Spass mehr und war im Training oft abwesend. Die mentalen Aspekte fingen an mich aufzufressen und ich konnte ihnen nicht Paroli bieten. Ich wollte nur noch weg und hatte keine Lust mehr ins Training zu gehen. Ich zerstörte mich innerlich selber. Der Abgang und die vorzeitige Vertragsauflösung per Januar 2011 von meiner Seite waren die logische Konsequenz.

Aktuelle Situation

Heute besuche ich das letzte Jahr der Sportklasse vom KV Liestal, in die ich wechseln musste, um beim FCB spielen zu können. Das 4. Lehrjahr kann ich trotzdem als Kaufmännischer Angestellten bei der Versicherungsgesellschaft «Zürich» in Laufen absolvieren. Unterdessen bin ich wieder erfolgreicher Stürmer beim FC Laufen, der zurzeit immer noch in der 1. Liga spielt. Zum FCB will ich nicht mehr. Ich habe hier meine Freunde, bin Stammspieler und werde als Spieler geschätzt. Mein Traum einer Profikarriere ging schneller zu Ende als er begonnen hatte und trotzdem nehme ich persönlich sehr viel Positives mit aus dieser Odysee.

Anlässlich dieses Berichtes möchte ich mich bei all den loyalen und kompetenten Persönlichkeiten in der Vereinsführung des FC Basels herzlich bedanken. Ich wünsche ihnen sowie auch allen Nachwuchsspieler nur das Beste. Ihr Traum soll in Erfüllung gehen.